Lass' uns reden
- miteinander nicht durcheinander

5 Minuten Lesezeit — Der Kommunikationsstörer soll den Menschen wieder das Sprechen beibringen, indem es sie an bestimmte Gesprächregeln durch eine Rückmeldung erinnert. Es wurde mit einem Universal Design Zertifikat ausgezeichnet und hat zudem von der Hans Sauer Stiftung ein Stipendium erhalten.

Ohne Kommunikation gibt es keine Bildung. Das merkt man erst, wenn die Kommunikation gestört oder ganz unmöglich ist. Diese Erfahrung müssen gehörlose Studentinnen und Studenten, von denen es immer mehr gibt, jeden Tag machen. Zwar gibt es im 21. Jahrhundert eine Fülle von technischen Kommunikationsmöglichkeiten; aber gleichzeitig wird die Kommunikation immer hektischer und es bleibt kaum Zeit für ein richtiges Gespräch.

Bei der Masterarbeit an der TU München am Lehrstuhl Industrial Design habe ich mir vorgenommen, mich mit diesem gesellschaftlichen Problem auseinander zu setzen, indem ich ein Gerät, den ich Störer nenne, entwickle, das auf bestimmte Kommunikationsschwierigkeiten reagiert. Unsere Sprechgeschwindigkeit und Sprechlautstärke berechnet das Gerät analog. Es sendet ein lautes Feedback aus, wenn einer der Gesprächsteilnehmer zu hektisch oder zu laut spricht oder wenn sie sich gegenseitig beim Gespräch unterbrechen. Auf diese Weise erlaubt es den Menschen, wieder miteinander auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Lass' uns reden
- miteinander nicht durcheinander

5 Minuten Lesezeit — Der Kommunikationsstörer soll den Menschen wieder das Sprechen beibringen, indem es sie an bestimmte Gesprächregeln durch eine Rückmeldung erinnert. Es wurde mit einem Universal Design Zertifikat ausgezeichnet und hat zudem von der Hans Sauer Stiftung ein Stipendium erhalten.

Ohne Kommunikation gibt es keine Bildung. Das merkt man erst, wenn die Kommunikation gestört oder ganz unmöglich ist. Diese Erfahrung müssen gehörlose Studentinnen und Studenten, von denen es immer mehr gibt, jeden Tag machen. Zwar gibt es im 21. Jahrhundert eine Fülle von technischen Kommunikationsmöglichkeiten; aber gleichzeitig wird die Kommunikation immer hektischer und es bleibt kaum Zeit für ein richtiges Gespräch.

Bei der Masterarbeit an der TU München am Lehrstuhl Industrial Design habe ich mir vorgenommen, mich mit diesem gesellschaftlichen Problem auseinander zu setzen, indem ich ein Gerät, den ich Störer nenne, entwickle, das auf bestimmte Kommunikationsschwierigkeiten reagiert. Unsere Sprechgeschwindigkeit und Sprechlautstärke berechnet das Gerät analog. Es sendet ein lautes Feedback aus, wenn einer der Gesprächsteilnehmer zu hektisch oder zu laut spricht oder wenn sie sich gegenseitig beim Gespräch unterbrechen. Auf diese Weise erlaubt es den Menschen, wieder miteinander auf Augenhöhe zu kommunizieren.

designernils-stoerer-gruppe

Eine Gruppe Gesprächsteilnehmer mit dem Störer. Wer sich nicht an die Kommunikationsregeln hält, wird beim Sprechen unterbrochen

Eine Gruppe Gesprächsteilnehmer mit dem Störer. Wer sich nicht an die Kommunikationsregeln hält, wird beim Sprechen unterbrochen

Das Ergebnis meiner Masterarbeit ist durch aufwendige Forschungsarbeiten und Befragungen entstanden. Anfangs habe ich zahllose wissenschaftliche Bücher über Kommunikation und Gehörlosenkultur gelesen, bevor ich mit den Interviews und Workshops in verschiedene Universitäten angefangen habe. Dabei habe ich typische Designverfahren angewendet, um das Offensichtliche zu vermeiden.  Damit ist gemeint, dass keine eindeutigen Lösungen gefunden werden sollen, die nur eine Verbesserung der vorigen Lösung darstellen. Deswegen habe ich mehrmals einen neuen Standpunkt durch Recherchen und Auswertungen eingenommen, um ständig neue Perspektiven zu erzielen.

Bei den Auswertungen habe ich gelernt, dass beide Gruppen, die Hörenden wie die Hörgeschädigten, Verbundenheit und Sicherheit brauchen, damit sie miteinander besser kommunizieren können. 

Das Ergebnis meiner Masterarbeit ist durch aufwendige Forschungsarbeiten und Befragungen entstanden. Anfangs habe ich zahllose wissenschaftliche Bücher über Kommunikation und Gehörlosenkultur gelesen, bevor ich mit den Interviews und Workshops in verschiedene Universitäten angefangen habe. Dabei habe ich typische Designverfahren angewendet, um das Offensichtliche zu vermeiden.  Damit ist gemeint, dass keine eindeutigen Lösungen gefunden werden sollen, die nur eine Verbesserung der vorigen Lösung darstellen. Deswegen habe ich mehrmals einen neuen Standpunkt durch Recherchen und Auswertungen eingenommen, um ständig neue Perspektiven zu erzielen.

Bei den Auswertungen habe ich gelernt, dass beide Gruppen, die Hörenden wie die Hörgeschädigten, Verbundenheit und Sicherheit brauchen, damit sie miteinander besser kommunizieren können. 

designernils-stoerer-workshop-regensburg

Eine Gruppe von Studierenden präsentieren ihre Ergebnisse, die im Design Thinking Workshop an der Universität Regensburg enstanden sind.

Eine Gruppe von Studierenden präsentieren ihre Ergebnisse, die im Design Thinking Workshop an der Universität Regensburg enstanden sind.

Deswegen habe ich versucht das genaue Gegenteil von dem zu entwickeln, was man normalerweise tun würde: Nämlich nicht die Störung einfach beseitigen; denn dann entstehen neue Probleme, mit denen meistens der Gehörlose belastet wird. Ich habe mir gedacht, dass man die Störung verstärken muss, damit die Probleme nicht beim Gehörlosen hängenbleiben, sondern auch die anderen, die Hörenden, Probleme bekommen.

Anfangs war das Gerät für den Einsatz bei der Kommunikation in Gruppen konzipiert, an denen gehörlose Menschen und Hörende teilnehmen. Doch es hat sich ergeben, dass es noch vielfältige andere Einsatzmöglichkeiten für das Gerät gibt und wie wichtig es für die Menschen sein kann. Das heißt, dass das Gerät auch in anderen Situationen verwendet werden kann, unter anderem für Sprachtherapie, Präsentationstraining, Aufrechterhaltung der Stille und Konzentration - zum Beispiel in Bibliotheken, Schulen und bei Gruppenarbeiten – überall wo Kommunikation störanfällig ist.

Deswegen habe ich versucht das genaue Gegenteil von dem zu entwickeln, was man normalerweise tun würde: Nämlich nicht die Störung einfach beseitigen; denn dann entstehen neue Probleme, mit denen meistens der Gehörlose belastet wird. Ich habe mir gedacht, dass man die Störung verstärken muss, damit die Probleme nicht beim Gehörlosen hängenbleiben, sondern auch die anderen, die Hörenden, Probleme bekommen.

Anfangs war das Gerät für den Einsatz bei der Kommunikation in Gruppen konzipiert, an denen gehörlose Menschen und Hörende teilnehmen. Doch es hat sich ergeben, dass es noch vielfältige andere Einsatzmöglichkeiten für das Gerät gibt und wie wichtig es für die Menschen sein kann. Das heißt, dass das Gerät auch in anderen Situationen verwendet werden kann, unter anderem für Sprachtherapie, Präsentationstraining, Aufrechterhaltung der Stille und Konzentration - zum Beispiel in Bibliotheken, Schulen und bei Gruppenarbeiten – überall wo Kommunikation störanfällig ist.

Das Video über den Störer mit deutschen und englischen Untertiteln.

Das Video mit deutschen und englischen Untertiteln.

Am Ende wird sich zeigen, dass das Gespräch von Angesicht zu Angesicht einen stärkeren Eindruck hinterlässt als die Kommunikation über soziale Medien oder technische Geräte. Dafür müssen die Menschen aber wieder daran erinnert werden, wie Kommunikation funktioniert.

Weitere Berichten sind unter den folgenden Links zu finden:

Am Ende wird sich zeigen, dass das Gespräch von Angesicht zu Angesicht einen stärkeren Eindruck hinterlässt als die Kommunikation über soziale Medien oder technische Geräte. Dafür müssen die Menschen aber wieder daran erinnert werden, wie Kommunikation funktioniert.

Weitere Berichten sind unter den folgenden Links zu finden:

Nils Enders-Brenner received an Universal Design certificate for his commitment to the disadvantaged.

Nils Enders-Brenner mit dem Zertifkat an der TU München, verliehen von der Universal Design Institut. Foto: Daria Stakhovska

Nils Enders-Brenner mit dem Zertifkat an der TU München, verliehen von Universal Design Institut. Foto: Daria Stakhovska

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